Mathias - Cliquenabend

Mathias Rekasch

Letztens war ich mal wieder bei mir zuvor noch unbekannten Spieler:innen zu Gast für einen Spielenachmittag. Gefunden hat man sich über die Seite www.gesellschaftsspieler-gesucht.deUnd plötzlich waren sie wie so oft weg: die Sorgen. Es wurde gespielt, gelacht, gehadert und diskutiert. Und nach mehreren Stunden verabschiedete man sich und hat auf jeden Fall beschlossen dies bei Gelegenheit zeitnah zu wiederholen. Die Tage danach waren sie aber wieder da: die Sorgen. 

Es ist schon absurd, dass sich bei mir im Kopf immer noch die Sorge um etwas breit macht, was im Alltag einiger Menschen schon länger keine oder kaum noch eine Rolle zu spielen scheint: Corona. Und damit meine ich natürlich nicht die schwer erkrankten Menschen auf den Intensivstationen und deren Angehörige, die Hinterbliebenen der leider verstorbenen Menschen oder das überlastete Klinikpersonal. Aber ich kann es nicht ausblenden. Obwohl ich 2020 infiziert war und dies verhältnismäßig gut überstanden habe. Obwohl ich mittlerweile dreimal geimpft bin – mit drei verschiedenen Impfstoffen. Jedes Mal, wenn ich etwas Schönes unternehme, überlege ich: war dies schlau? Was, wenn ich mich wieder infiziere? Was, wenn ich andere Leute durch mein Verhalten anstecke? Klar, teste ich mich jedes Mal vor einer Aktivität – egal ob Spieleabend, Kinoabend, Familientreffen oder ein Handballspiel des eigenen Sohnes – und danach. Nahezu täglich. Und dennoch ist der Kopf nicht immer frei. 

Dabei verhalte ich mich so besonnen, wie ich kann. Ich trage bei Kontakten im Büro eine FFP2-Maske; beim Einkaufen ebenso. Und im ÖPNV ist es sowieso noch vorgeschrieben. In den letzten gut zwei Jahren habe ich mich über lange Zeit so gut wie gar nicht mit Leuten zum Spielen verabredet. Insgesamt abseits der „Messe-Woche“ in den letzten beiden Jahren, wo ich im Oktober einmal ein verlängertes Wochenende und einmal eine Woche im Frankfurter Hauptquartier von Cliquenabend sein durfte, nur mit vier verschiedenen Haushalten seitdem. Die beiden inzwischen entstandenen Spiele-Cafés in meiner Heimatstadt Kiel habe ich immer noch nicht besucht. Dabei ist spielen so wichtig für mich. Das Abschalten vom Alltag, das Eintauchen in andere Welten, der Spaß mit Gleichgesinnten über dieses wundervolle Hobby zu sprechen, sich auszutauschen. Ganz zu schweigen davon, dass man als sogenannter „Blogger“ ohnehin ein Interesse an möglichst vielen verschiedenen Spielen und dem Spielen mit möglichst unterschiedlichen Gruppen haben sollte. Zuletzt waren dies eher die eigene Familie und wenige weitere Bekannte. 

Vermutlich muss ich mich mehr dazu zwingen, offensiver sein. Nicht mehr so sehr auf die eigenen Bedenken hören wie „Du kannst im Job jetzt auf keinen Fall fehlen“ oder „wenn andere Leute sich bei Dir anstecken und schwer daran erkranken, trägst Du die Verantwortung“. Und es gab und gibt sie ja: die Lichtblicke. Die Spieleabende, die stattfanden, der Urlaub über Ostern mit der erweiterten Familie, der anstehende erste Messebesuch seit Februar 2020 mit dem Herner Spielewahnsinn in zwei Wochen. Und vor allem mein erstes Cliquenabend Gathering Ende Juni/Anfang Juli. Außerdem muss ich auch wieder mal nach Essen zur SPIEL. Da freue ich mich drauf. Denn es bedeutet Abschalten vom Alltag und Spaß. Und das braucht man auch für die eigene Seele. 

Man kann doch spielen und umsichtig sein … oder?!

– Mathias Rekasch, www.cliquenabend.de