Nun ist sie also nur noch zwei Wochen entfernt – die SPIEL 2021 und damit die erste richtig große Präsenzmesse in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2021. Dabei will ich die BerlinCon Mitte September gar nicht unerwähnt lassen, doch die Besucher:innenströme werden ungleich größer in Essen sein. Ich selbst werde nicht vor Ort sein, sondern wie im Vorjahr das Hauptquartier von Cliquenabend in Frankfurt besuchen und eine Woche lang spielen – etwas, dass wir während einer Messe sonst gar nicht machen, da wir dort die ganze Zeit nur filmen. 

Natürlich freue ich mich aber ebenso auf die vielen Neuheiten wie meine Kolleg:innen vor Ort und darunter haben es mir oft die etwas anspruchsvolleren Spiele angetan. Wie viele der drei Spiele, die es in meine Top Ten geschafft haben, wir im Rahmen der SPIEL wirklich spielen können, ist wirklich ungewiss. Immerhin konnte ich mir aber schon mal die Anleitungen durchlesen. So wird meine Vorfreude vielleicht noch etwas länger andauern, aber dafür gelten die drei Titel umso mehr als Empfehlung für alle Spieler:innen, die in Essen auf der SPIEL 2021 vor Ort sein werden. Fangen wir also an:

Top 3 der anspruchsvollen Spiele!

Platz 3 – Boonlake
von Alexander Pfister (dlp Games)

In den letzten Jahren ist Alexander Pfister nahezu immer ein Garant für tolle komplexe Spiele gewesen, von denen mir eigentlich auch alle mit Ausnahme von Blackout Hongkong sehr gut gefallen haben. In diesem Jahr wird nun Boonlake bei dlp Games erscheinen, und wir Spieler:innen sollen die verlassene Region rund um den gleichnamigen See erschließen, besiedeln und modernisieren, während wir zudem immer weiter den Fluss mit unseren Schiffen hinab segeln. Neben viel Material, Double-Layer-Spieltableaus und einigen Karten finde ich vor allem den Mechanismus mit den Aktionsplättchen interessant, die zum einen die zu nutzende Aktion vorgeben, zum anderen in den meisten Fällen aber allen Mitspielenden einen Effekt bieten, den sie nutzen können. Außerdem gibt die Platzierung der Plättchen auch noch die Anzahl der möglichen Schritte mit dem eigenen Schiff vor, welches den Spielfortschritt dokumentiert. Mit virtuellen Rohstoffen, welche durch errichtete Produktionsgebäude und die Platzierung von Booten auf dem eigenen Tableau angezeigt werden, was man immer wieder anpassen kann, der Aufwertung von Gebäuden auf dem Spielplan und dem Fortschritt durch zu platzierende Hebel für weitere Effekte bieten sich viele Entscheidungsmöglichkeiten. Und genau diese sollte ein anspruchsvolles Spiel bieten. 

Platz 2 – Corrosion
von Stefan Bauer (Deep Print Games)

Als im Jahr 2020 der Verlag Deep Print Games das Licht der Welt erblickte, haben viele Spieler:innen vermutet, dass dies ein Verlag für komplexe Titel werden würde. Doch mit Renature, Kyoto, Juicy Fruits, Rorschach und auch dem angekündigten Savannah Park kamen Spiele für Familien oder größere Gruppen heraus.

Mit Corrosion von Stefan Bauer, einem bisher noch unbekanntem Autor, erscheint nun das erste komplexe Spiel des Verlag, und natürlich ist mein Interesse direkt geweckt. Ein im wahrsten Sinne des Wortes verzahntes Industrie-Spiel in welchem die für die Maschinen wichtigen Zahnräder rosten – sich also verbrauchen – und auch Ingenieur:innen nach und nach ihre Schicht beenden, passt thematisch natürlich wie die Faust aufs Auge. Außerdem halte ich Räder in Spielen – wie hier das Rostrad – immer für einen schönen Mechanismus. Grundsätzlich eingängige Regeln, die durch viele Karten und instandzusetzende Maschinen zu komplexen Möglichkeiten werden, sind genau mein Ding und damit ein verdienter Platz 2.

Platz 1 – Arche Nova
von Mathias Wigge (Feuerland Spiele)

Ebenfalls ein noch unbekannter Autor ist Mathias Wigge, aber allein schon der Vorname verbindet natürlich. Aufmerksam geworden bin ich ehrlicherweise aber durch den Verlag, denn Feuerland Spiele hat durch Titel wie Terra Mystica, Flügelschlag, Crystal Palace, Dinosaur Island und nicht zuletzt Wasserkraft immer Spiele im Portfolio, die meinen – zugegebener Maßen auch breit gestreuten – Geschmack treffen. 

Mit Arche Nova kommt nun in diesem Jahr der Titel heraus, der unter den anspruchsvollen Spielen am meisten mein Interesse weckt. Ein vor allem auf Karten basierendes Zoo-Aufbauspiel, verbunden mit dem Legen von Gehegen auf dem eigenen Plan, in welchem es aber nicht allein darum geht, den eigenen Zoo zu errichten, sondern neben Attraktion auch auf Artenschutz zu achten ist, passt auch super in die heutige Zeit, und ich bin immer froh, wenn Spiele auch diesen Aspekt von Gesellschaft immer mehr beleuchten. Dazu werden Attraktion und Artenschutz auch noch auf gegenläufigen Leisten abgetragen und lösen bei Begegnung durch die Marker einer mitspielenden Person das Spielende aus. Ein Aspekt, der schon bei Spielen wie Crown of Emara und Rajas of the Ganges gut funktioniert hat. Thema passt, Mechanismen passen und der Verlag verspricht in schöner Regelmäßigkeit tolle Spiele – was will das Spieler:innenherz mehr?!

– Mathias Rekasch, www.cliquenabend.de

Kommentare aus dem
Beeple-Netzwerk

Jürgen – spielbar.com

Was treibt der Jürgen sich denn jetzt auch noch hier in der Kategorie herum? Zugegeben: Diese Kracher passen aktuell nicht wirklich in mein (Familien-)Leben, aber: Die Neugier platzt ja doch schon mal durch. Gepaart mit der Erinnerung an die durchgespielten Tage und Nächte vor den Kindern. Die Auswahl von Mathias hätte daher auch von mir stammen können. Sowohl die Arche Nova als auch Corrosion wecken mein Interesse. Und mit Alexander Pfister und Markus Müller wird es ein spannendes Gespräch mit Tobias (fjelfras.de) im beeple Messeradio geben.

Christoph – Brettspielbox

Alle drei Spiele stehen auf meiner Liste recht weit oben. Arche Nova sogar ganz weit oben, da ich das Thema sehr spannend finde sowie die beiden gegenläufigen Siegpunktleisten als Mechanik schätze. Alexander Pfister ist sowieso schon fast ein Blindkauf, da habe ich in der Vergangenheit nie daneben gelegen. Das Thema selbst ist schon etwas spezieller. Mal sehen, wie es umgesetzt wurde. 

Und dann noch Corrosion, das erste Kenner-/Expertenspiel von Deep Print Games. Auch auf das Spiel bin ich sehr neugierig, auch wenn ich fast befürchte, dass es mir etwas zu verzahnt sein könnte.

In Summe alle sind drei Spiele sehr interessant, und ich hoffe, dass ich vor lauter Neuheiten die Ruhe bekomme, sie alle in der Tiefe auch spielen zu können. Vielleicht hätte sie sich noch ein wenig gestritten mit Dark Ages. Aber der Spieleschmiede Pledge wurde bereits ausgeliefert und wartet bei mir auf das Auspacken. 

Melanie – Die Spieledinos 

Eine sehr schöne Auswahl, die hier Mathias in diesem Bereich getroffen hat, wobei ich mich mit einem der Titel direkt sehr schwer tue, und mit diesem möchte ich auch gleich starten. Bei Arche Nova werde ich erst einmal raus sein und den Markt ein wenig beobachten. Mir sagt das Artwork leider so gar nicht zu, und die vorerst bestehende Knappheit lässt das einfach für mich regeln. Wohingegen auch Boonlake direkt bei uns weit oben auf der Liste gelandet ist, vielleicht liegt es einfach an der Mischung von Autor und Verlag. Denn eines unserer Highlights letztes Jahr war definitiv Monasterium, das bei dlp Games erschienen ist. Und bei Corrosion ist auch bei mir eine sehr große und gewisse Neugier geweckt, ist es doch auch der erste sehr anspruchsvolle Titel, der bei Deep Print Games erscheinen wird. Von Anfang an hat Thematik, Mechanik und das Material einen neugierig auf mehr gemacht und wird garantiert weiter und tiefer verfolgt. 

Tobias – fjelfras

Nice, Mathias – und so vorhersehbar, wenn ich in den Spiegel schaue! Denn bekanntlich bin ich ein bekennender Würfelschubser und habe deswegen all diese Spiele auch auf dem Radar. Ich würde momentan höchstens noch Platz 1 mit Platz 2 tauschen, aber das ist dann sicherlich eine Frage der Tagesform. Zusätzlich möchte ich unbedingt noch einen Blick auf Stroganov von Game Brewer werfen. Das habe ich schon durch Crowdfunding unterstützt, muss aber mit der Deluxe-Version noch warten, so dass ich mir zumindest schon einmal die Retail-Version zu Gemüte führen will.

Christian – Brett & Pad

Tja, das ist wohl der No-Brainer der Messe. Diese drei Spiele werden ganz sicher am Ende der Messe auf meinem Tisch landen. Wobei bei mir Boonlake wohl vor Corrosion wäre. Das sind aber Nuancen, und welches der Brettspiele am Ende wirklich überzeugt, kann ich noch nicht abschätzen. Ansonsten gebe ich Melanie Recht, die Optik von Arche Nova ist mit seinem Charme eines Kinderlehrbuchs nicht so ganz meins, ich glaube aber, spielerisch wird das richtig gut. 

Hilko – Du bist dran!

Ich halte mich hier vornehm zurück – ich spiele so selten lange Brettspiele, dass ich da einfach nicht mitreden kann. Insbesondere in Essen sind sie für mich wenig spannend, da ich sie mir mangels Gelegenheit nicht kaufen würde. Wenn davon mal jemand was auf den Tisch legt und ich sonst nichts Besseres zu tun habe, spiele ich auch mal mit, aber da geht es nicht so weit, dass ich mir solche Sachen vor der Messe angucke.